Das Castillo-Morales Konzept besteht aus mehreren Teilen:

1. Die neuromotorische Entwicklungstherapie (NET)
2. Die orofaziale Regulationstherapie (ORT)
3. und gegebenenfalls die Versorgung mit einer Gaumenplatte         

zu 1:
Die neuromotorische Entwicklungstherapie kann durchgeführt werden bei Störungen der neurologischen, sensorischen, psychischen Entwicklung  und bei hypotonen Kindern.

In der Therapie werden die motorischen Etappen, die als genetisches Programm angelegt sind, durch die Aktivierung von motorischen Zonen stimuliert.

Hierdurch wird die normale motorische Entwicklung voran getrieben und trainiert. Durch die frühe Stimulation wird das Körperschema, die Beziehung der Objektwelt und zur menschlichen Umwelt früh entwickelt. Das Fundament der NET ist der Dialog zwischen Kind und Therapeut und das ständige Analysieren und Reflektieren der Reaktion des Kindes.

Zu 2:
Die orofaziale Regulationstherapie ist ein sensomotorisches Behandlungskonzept, das an Funktionen orientiert ist. Hiermit ist u.a. die Stimulation der physiologischen Funktionen des orofazialen Komplexes gemeint.

(Das Organsystem, das durch Zusammenschluß verschiedener anatomisch-physiologischer Elemente gebildet wird und folgende Funktionen erfüllt: die Atmung, die Nahrungsaufnahme, die Mimik und die Phonation)

Sie wird angewandt bei allen sensomotorischen Störungen im Bereich des Gesichtes, des Mundes und des Rachens sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen.

Z:B: bei Früh- und Neugeborenen mit Saug- und Schluckstörungen, Syndromen mit orofazialen Problemen, LKG-Kindern, Zerebralparesen, Fazialisparesen, Hirntraumen, atypischem Schluckvorgang, Operationen im Gesichts- und Mundbereich, Artikulationsstörungen etc.

Sie nimmt damit Einfluß auf:

  • die Körper-, Kopf- und Kieferhaltung
  • die Mimik
  • die Wangen-, Lippen- und Zungenfunktion
  • die orofazialen praelinguistischen Funktionen wie:
  • Saugen, Schlucken und Kauen
  • die Atmung
  • durch Veränderung der o.g. Strukturen wird indirekt die Artikulation verbessert 

Durch die Behandlungstechnik werden Haut-, Bindegewebe-, Muskel- und Gelenk-rezeptoren stimuliert mittels Berührung, Streichen, Zug, Druck und Vibration.

Durch die intermittierende Vibration kann der Muskeltonus heraufgesetzt werden und durch die langhaltende gleichmäßige Vibration entsteht eine Senkung des Muskeltonus.

Einige exemplarische Übungen, die je nach Krankheitsbild ihre Anwendung finden:

  1. Anregung des gesamten orofazialen Komplexes
  2. Übungen am Mund
  3. Übungen im Mund
  4. Übungen für die mimische Muskulatur
  5. Atemübungen

Zu 3:
Die Gaumenplatte ist als Ergänzung der Therapie zu sehen und nicht als Ersatz.

Die Zunge, Wangen und Lippen bekommen durch die Gaumenplatte einen Stimulationsanreiz, der den vorhandenen pathologischen Haltungs- und Bewegungs- mustern entgegenwirkt.

Die sogenannte „Erinnerungsplatte“ wird mehrmals täglich zur Unterstützung eingesetzt.